#Me Toooooo

Eigentlich wollte ich den Quatsch ignorieren. Jede Branche hat ihre Gewohnheiten. Wenn man damit nicht klarkommt, sollte man etwas anderes machen. Habe ich im hohen Alter von 59 Jahren auch getan, bei mir ging es auch um Gewissen, allerdings nicht um die Besetzungscouch. Obwohl ich mehrere akademische Abschlüsse habe, gehe ich jetzt ins CallCenter arbeiten. Uns geht es ja immer besser. Deshalb konnte man zu der Zeit, als ich ins Berufsleben eintrat, auch mit 60 in Rente gehen, ich „darf“ das mit 66, Jüngere „dürfen“ dann mit 67.

Straftaten konnte man auch schon vor 20 oder 30 Jahren anzeigen. Der Gedanke liegt also nahe, daß es bei dieser Aktion nicht um die Interessen der betroffenen Frauen geht. Das muß den Frauen gar nicht bewußt sein. Sich heute zu outen kann ja viele Beweggründe haben. Der ehrenhafte wäre, daß frau immer noch seelisch drunter leidet und sich dadurch Gerechtigkeit verspricht (bekommt sie wahrscheinlich nicht), im schlimmeren Fall ist es derselbe Grund, der sie damals veranlaßte, sich auf die Couch zu legen.

Als ich noch jung und schön war, habe ich mal einem Offizier der damaligen (sowjetischen) Besatzungsmacht vor Untergebenen eine runtergehauen, weil er seine Hand unter meinem Rock platzieren wollte. Zum Glück konnte  ich danach schnell weg und meine Mutter half mit einem Brandy meinem seelischen Gleichgewicht wieder auf. Also, ich erzähle das nur für den Fall, daß manche Leute meinen, man könne ja die schweren seelischen Verwüstungen, die sowas anrichtet nicht nachvollziehen.

Die #Me too – Kampagne ist so offensichtlich darauf ausgerichtet alles menschliche Zusammenleben (denn es handelt sich ja um die beiden großen Gruppen, auch wenn sich manche als etwas 3. oder 65. fühlen, also um Männer und Frauen) durch Zerstörung der unregulierten Kommunikation unmöglich zu machen. Ich habe mich auch oft geärgert, wenn ich auf blöde Flirtversuche nicht schlagfertig (verbal) reagiert habe, ist eben so und manchmal fällt einem ja auch was Gescheites ein.

Liebe Geschlechtsgenossinen, mit zunehmendem Alter wird die Anmache weniger, das kann sehr entspannend sein. Solltet Ihr das nicht so empfinden und Euch deshalb auf #Me too engagieren, denkt mal über die Fernwirkungen einer solchen Kampagne (Zerstörung der gesellschaftlichen Kommunikation, gerade auch im Bereich, der für die Arterhaltung notwendig ist) und über Euere moralische Ausstattung nach. Außerdem wird ja jeder Spaß vertrieben. Meist geht es ja bei Anzüglichkeiten einfach darum, das triste Alltagsleben ein bischen aufzulockern. Beide lachen und gut ist es. Die nächste junge Dame wird wieder angepfiffen, Quittung ist Vogelzeigen oder Lachen und der Alltag ist bunter, das Leben leichter.

Nein, uns soll aller Spaß vergällt werden, private, unkontrollierte Kommunikation soll standardisiert werden. Der Weg über die Medien ist dabei immer noch kostengünstiger und effektiver als der chemische oder biologische. Also, lachen kann auch subversiv sein. Oder warum wollte der alte Hoche (Eco: Der Name der Rose) das Lachen verbieten?